Heidehotel Lubast produziert selbst Strom - Vom Dach in die Batterie

Im Heidehotel Lubast wird Strom produziert und fast komplett selbst verbraucht. 600 Quadratmeter Solarzellen mit einer Leistung von 60 Kilowatt-Peak hat der Betreiber auf dem Dach installieren lassen.
Der Schaltschrank im Keller des Heidehotels macht einen ganz gewöhnlichen Eindruck. Drinnen verbirgt sich jedoch das, was Politiker landauf, landab als Teil der Energiewende beschwören. In dem Schrank befindet sich ein Batteriespeicher für die Solarenergie vom Dach des Hauses.

„Das ist eine Investition in die Zukunft. Ich glaube nicht, dass die Strompreise sehr viel sinken werden“, sagt Christian Weise, Chef des Lubaster Heidehotels. 600 Quadratmeter Solarzellen mit einer Leistung von 60 Kilowatt-Peak hat er auf dem Dach installieren lassen, deren Energie er zumeist im laufenden Betrieb des Hotels verbrauchen will. Seit vier Wochen läuft die Anlage und dank des Energiespeichers schafft er sein Ziel zu bisher über 90 Prozent.

Im Februar 2014 hat der inzwischen 33-jährige Weise, der aus Rotta stammt, das Haus übernommen, das er seither mit seiner Lebensgefährtin Andrea Peukert führt. Ein Stück Unabhängigkeit, was die notwendige Energie für solch ein Haus mit 96 Betten betrifft, hat er übernommen: zwei Blockheizkraftwerke, die bei Bedarf Wärme und nebenbei auch Strom erzeugen. Auch von hier fließt nun überschüssige Leistung in den 40 Kilowattstunden fassenden Speicher, die für die dunklen Abende zur Verfügung steht.

Schränke mit Lithium-Batterien

Möglich gemacht hat dies Daniel Hannemann mit seinem 2014 gegründeten Unternehmen Tesvolt. Die Wittenberger Firma produziert die Schränke mit den Lithium-Batterien, deren Größe für die Einfamilienhaus-Anlage die eines Kühlschranks ist. Im Heidehotel ist es eine Nummer größer. „Das Besondere hier ist, dass auch die überschüssige Elektroenergie der Blockheizkraftwerke eingespeichert werden kann. Ein intelligentes Energiemanagement mache es möglich. „Die Anlage könnte, wenn viel Strom anfällt, bei entsprechender Programmierung sogar eigenständig weitere Verbraucher starten“, fügt er hinzu. Zudem kann sie als Notversorgung dienen.

Der Eigenverbrauch von Solarenergie ist wirtschaftlicher als der Verkauf. Derzeit kostet die Kilowattstunde 23 Cent, wenn Weise sie einkauft. Produziert wird sie bei ihm für zwölf Cent. Für den Hotelchef war die Investition eine logische Konsequenz, um Kosten zu sparen. Auf ein Jahr hochgerechnet kann er geschätzt ein Drittel seiner Energie selbst produzieren und nutzen. „Der Staat finanziert und fördert im Moment auch solche Ökoprojekte“, weiß Hannemann, der mit seinem Unternehmen in den vergangenen drei Monaten einen super Start hingelegt hat. Die nächsten Kunden sitzen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Russland und Großbritannien.

Gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Hanni-Solar und Elektro-Schandert kann Tesvolt komplette Anlagen planen und bauen. „Wir bieten in Lubast auch Schulungen für Elektrobetriebe und Installateure“, sagt Hannemann. Momentan sind Speichersysteme für Einfamilienhäuser gefragt, aber das Unternehmen plant auch Großanlagen für Agrarbetriebe. Da muss dann schon ein Container für die Batterien aufgestellt werden. Deren Lebensdauer beträgt 5 000 bis 8 000 Zyklen, also bei einem Zyklus pro Tag geschätzt 20 Jahre. Das hat Hotelchef Weise und seine Partnerin Andrea Peukert überzeugt. Ideen für ihr Haus haben sie viele, berichten die Inhaber. Unter anderem könnte sich Christian Weise eine Stromtankstelle für Elektroautos am Hotel vorstellen. „Da wären wir, glaube ich, die ersten im Landkreis. Ich habe aber noch keinen gefunden, der es realisiert“, bedauert er. (mz)


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